In der alchymistischen Naturbetrachtung sehen wir im gesamten Kosmos eine wirksame Dreifaltigkeit. Diese drei Grundkräfte der Schöpfung bewegen das Webwerk der Natur und sie wurden von den alten Alchemisten als die drei Essentiale bezeichnet.
Im aktuellen Zustand der Menschheit finden diese drei Prinzipien leider kaum noch Beachtung und vor allem das „Prinzip des Dritten“ wurde fast vollständig aus dem Bewusstsein der Menschheit verdrängt. Dies führte zu Spaltung, Angst, Trennung und einer immer stärkeren Entfremdung von unserem wahren Sein. In der Alchymie entspricht dieses verlorene dritte Prinzip dem Merkur. Er ist der Götterbote, der Vermittler, das verbindende Element zwischen Materie und Geist. Merkur kann das Geistige in die Materie herunterholen, es dort wirksam werden lassen und zugleich die Materie wieder zum Geistigen hin öffnen. Genau diese Aufgabe erfüllt auch der Alchemist im Dienst der Schöpfung. Nur das Merkurprinzip ist in der Lage, das Prinzip des „Trenne und Herrsche“ vollständig aufzulösen, zu harmonisieren und wahre Heilung zu schenken.
Alles in der Natur hat das einheitliche Wirken der drei Essentiale als Grundlage. In der Alchemie sind diese als Merkur, Sulfur und Sal bekannt. Auch in der indischen Mythologie begegnen wir diesen in den drei Gunas Tamas, Rajas und Sattva. Bei den Mayas erscheint sie in der Dreifaltigkeit des Gottes Quetzalcoatl, der in seinem Wesen sowohl die Schlange als Symbol der Materie als auch den Quetzal als Sinnbild des Geistigen in Harmonie zu der gefiederten Schlange vereint.
Die Bezeichnungen Merkur (Quecksilber), Sulfur (Schwefel) und Sal (Salz) haben nichts mit ihrer rein materiellen Bedeutung in der modernen Chemie zu tun. In der alchymistischen Betrachtung stehen sie für die grundlegenden Prinzipien des Kosmos:
Merkur verkörpert das anonyme Lebensprinzip, die von Gott gegebene unpersönliche Lebenskraft, das Flüchtige, Bewegliche, Geistige und Ätherische. Diese Kraft verbindet unterschiedliche Pole miteinander und bewirkt eine Ausdehnung des Stofflichen, um seinen geistigen Gehalt freizulegen.
Sulfur steht für Seele, Psyche, Bewusstsein, das innere Feuer und die Individualität. In der Pflanzenwelt erfahren wir Sulfur besonders in der Blüte – in ihrer Farbe, ihrem Duft und all dem, was der Pflanze ihre einzigartige Wesensqualität verleiht.
Sal repräsentiert die Kraft der Verdichtung und Festigung; es symbolisiert das Feste, den Körper, das strukturelle Gerüst, das Geist und Seele verankert und im Irdischen zur Form bringt.
Diese Dreiheit durchdringt das Universum wie ein unsichtbarer Herzschlag. Wir finden sie überall wirksam:
Sonne – Mond – Erde
Vater – Mutter – Kind
Tierreich – Mineralreich – Pflanzenreich
Drei Regulationssysteme im Menschen.
Die drei Welten der nordischen Mythologie
…
Es gibt hierbei stets einen Vermittler – den Merkur. So ist die Pflanze ein Beispiel für das Merkurprinzip, da sie das Mineral volatilisieren und es so den Tieren zugänglich machen kann. Auch der Mensch, als ein Vermittler zwischen der materiellen und der geistigen Welt, ist ein Ausdruck des Merkurprinzips.
Vielleicht konnte diese kleine Einführung dein inneres Wissen über diese Zusammenhänge berühren und dich auf deinem Weg ein Stück weiter begleiten.